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Panionion - Wo der Stier brüllte

Archäologen der Ruhr Universität in Bochum haben einen sensationellen Fund gemacht. Sie entdeckten im Mykale Gebirge, an der Westküste der heutigen Türkei, das Panionion - das Zentralheiligtum der griechischen Bewohner an der kleinasiatischen Westküste.

Zwölf ionische Städte, darunter so bedeutende wie Milet, Ephesos (bekannt durch seine berühmte Bibliothek) und Priene, waren im "Panionischen Bund" vereint und begingen in ihrem Heiligtum Panionion den Kult des Poseidon Helikonios, dem uralten ägäischen Gott des Meeres und des Landes.

Im Panionion brachten die Ionier dem Gott Poseidon ein Opfer, bei dem ein Stier zum Altar geschleppt und gezerrt wurde. Den Namen "Mykale" leitete man später aus dem Gebrüll der Stiere ab. Das Mykale-Gebirge (heute Dilek Daglari) liegt ca. 100 Kilometer südlich der Hafenstadt Izmir. Das Archäologen Team unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Hans Lohmann hat seit September 2004 dieses Gebiet systematisch erforscht und konnten mit ihrem Fund das Jahrhunderte alte Rätsel lösen, wo das Panionion liegt.

Erste Hinweise auf den Kult des Poseidon Helikonios finden sich bereits in der Ilias, dort erwähnt der Dichter zwar dieses Opfer, nicht aber das Panionion oder den Bund der Ionier, der offenbar erst später gegründet wurde. Um diesen Poseidonkult entbrannte Mitte des 7. Jahrhunderts ein Krieg, der "Meliakos Polemos", in dem Melia, das hauptsächlich von den Karern bewohnt war, zerstört und das Landgebiet unter den siegreichen Griechen aufgeteilt wurde. Die Griechen führten den Kult fort und bauten das Panionion. In der Folge entfalteten sowohl der Kult als auch das Heiligtum eine starke Wirkung und erlangten enorme Bedeutung für den Zusammenschluss der Ionier und für die Herausbildung ihrer kulturellen Identität. Noch der antike Historiker Herodot aus Halikarnassos wusste, dass die Ionier ursprünglich keineswegs einen homogenen Stammesverband gebildet hatten. Im 11. und 10. Jahrhundert v. Chr. kamen sie im Zuge der so genannten "Ionischen Wanderung" in kleinen Gruppen nach Westkleinasien.

Herodot schreibt über das Panionion: "Das Panionion ist ein heiliger Platz in der Mykale, der sich nach Norden erstreckt und von den Ioniern gemeinsam dem Poseidon Helikonios geweiht ist." Ein anderer antiker Historiker, Diodor, erwähnt, dass das Panionion ursprünglich an "einsamer Stätte" gelegen habe und man es später verlegen wollte. Bereits 1673 hatten englische Reisende auf der Nordseite des Mykale-Gebirges beim heutigen Ort Güzelçamli eine Inschrift aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. entdeckt, die das Panionion erwähnt. Es schien also nicht fern zu sein.

Im Bereich des Hauptkammes der Mykale, auf "Mykales luftigem Scheitel" stießen die Archäologen überraschend in 750 Meter Höhe auf die ausgedehnten Ruinen einer befestigten Höhensiedlung des frühen 7. Jahrhunderts v. Christus. Darin fanden sie die Reste eines stark zerstörten ionischen Tempels der Zeit um 540 v. Chr. Die bis zu drei Meter breiten, stark verfallenen Wehrmauern, bilden ein riesiges Dreieck, dessen Spitze im Norden liegt. Der Tempel ist rund hundert Jahre jünger als der Krieg um Melia und die Zerstörung der Siedlung. Dieser Befund scheint die These von Herodot und Diodor zu bestätigen: "Eine einsamere Stätte ist kaum vorstellbar", so Lohmann.

Doch auch dieser archäologischer Fund scheint nicht von Grabräubern verschont geblieben zu sein, genaueres werden aber erst die Grabungen ergeben.

Sonntag, 20. August 2017, 11:35 Uhr
Letztes Update am 01.01.1970 um 01:00 Uhr
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